Rückblick 2018

Vom Knistern in der Kirche

"Auch noch verlieren ist unser; und selbst das Vergessen hat noch Gestalt in dem bleibenden Reich der Verwandlung. Losgelassenes kreist; und sind wir auch selten die Mitte einem der Kreise; sie ziehn um uns die heile Figur." (Rainer Maria Rilke)

Wie Wandel in der Kirche gelingen kann – und wie Rilke dazu beiträgt.

Die Kirchen, wie auch manche anderen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens, sind gegenwärtig einem großen Wandel ausgesetzt. Unter den Begriffen „Wir werden kleiner- ärmer-älter“ deuten sich tiefgreifende Veränderungen an. Die Kirchen scheinen sich in einem Prozess zu befinden, der sie implodieren lässt.

Die Diskussionen um den notwendigen Strukturwandel sind oftmals geprägt durch strukturelle Gedanken und Strategien, die den Wandel weniger schmerzlich erscheinen lassen. Dabei kratzt das nur an der Oberfläche. Es geht ja um viel mehr: mit welcher Haltung wird der Wandel gestaltet? Was bewegt und trägt und verändert die Kirche in ihrer äußeren Gestalt und in ihrem inneren Gehalt? Wo ‚knistert‘ es in der Kirche? Es geht also in den Veränderungsprozessen unserer Kirchen viel um Loslassen und Abschied.

Was aber sind Haltungen, mit denen der Wandel gelingen kann? Wie gewinne ich Wandelmut – Mut zum Wandel und nur wenig verwandt mit Wankelmut- und was lässt mich vertrauen?

Pfarrerin Christina Bergmann sucht nach dem, was dahinter und darunter und darüber hinaus ist -und wird überraschend fündig in der tiefen Lyrik Rainer Maria Rilkes.

Pfarrerin Christina Bergmann

Pfarrerin Christina Bergmann,

KK Soest-Arnsberg,

Mittwoch, 13.02.2019, 18:00 Uhr

Forum des Peter-Prinz-Bildungshauses, Ehmsenstr. 7

Rückblick zu:

„Vom Knistern in der Kirche. Wie Wandel in der Kirche gelingen kann – und wie Rilke dazu beiträgt.“ Vom 13. 02.2019 mit Pfr’in Christina Bergmann

Wer in diesen Zeiten sich mit dem notwendigen strukturellen Wandel der Kirche beschäftigt, muss ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit mitbringen. Oder interessiert an Alternativen sein. Offensichtlich interessiert waren die Zuhörerinnen und Zuhörer des Vortrags von Pfarrerin Christina Bergmann.
Sie hat lange Zeit im Strukturbüro des Kirchenkreises Arnsberg gearbeitet, war beteiligt an der Vereinigung der Kirchenkreise Arnsberg und Soest und hat von daher einen gehörigen Einblick in die Strukturdebatten.
Gleichwohl sind ihrer Ansicht nach institutionelle Vorgaben und Strukturen in der Kirche nur das eine. Mit ungleich mehr Motivation kann der Wandel in der Kirche gelingen, wenn man sich darauf einlässt, was aus der Mitte und der Tiefe des Glaubens heraus dazu bewegen kann. Wenn man also gespannt darauf ist und dem nachspürt, ‚wo es knistert in der Kirche‘. Denn es geht darum, von dem auszugehen, was uns ausmacht, nicht nur von dem, was wir machen. Diese Grundhaltung beginnt beim Osterglauben, also in der Mitte des christlichen Glaubens, denn das Grab Jesu ist eine Leere, die alles enthält.
Bei der Suche nach der Mitte vermittelte sie überraschende Einsichten und Hilfen aus dem Werk und den Gedanken Rilkes, der seinerseits -in eher mystischer Weise- um die Mitte und die Tiefe kreist. Damit wurden jedoch ungewöhnliche Zusammenhänge erstellt, die staunend und überraschend neue Perspektiven entdecken ließ. Womöglich lässt sich das „Transzendenzdefizitsyndrom“, das die Referentin auch bei der Kirche diagnostizierte, mutig und gelassen beheben und dem Staunen über Gott und die Welt wieder mehr Raum geben.
Ein anregender Abend, der auch mit dem Hinweis auf die Möglichkeit eines Literarischen Gottesdienstes zu Rilke eine weitere Brücke zum Knistern in der Kirche schlug.

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Evangelische Akademie Arnsberg